Der Mährische Amazonas - Soutok

November 02, 2026

 

 

diesmal: ... THAYA & DYJE

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Text:Franz Meister  

Foto: Nadja Meister 

An anderer Stelle hatte wir schon über die Weltsicht der Böhmen und Mähren geschrieben, deren beider Länder ja am Meer liegt. Aber wie das halt für derart kosmopolitisch orientierte Völkerschaften üblich ist, darf auch ein Stück Amazonas im Mähren nicht fehlen. Und so ist das Gebiet des Soutok, des Zusammenflusses von March und Thaya auch als mährischer Amazonas bezeichnet.

So ganz falsch ist diese Etikettierung nicht, wenngleich das Quellgebiet der beiden Flüsse nicht in den Anden gelegen ist. Gemeint ist vielmehr eine Art von Unübersichtlichkeit, die trotz allerhand bislang durchgeführter Regulierungsarbeiten immer noch besteht. Formal gibt es zwar einen Punkt des Zusammenflusses von Thaya und March, doch wer die Karte ein wenig genauer studiert erkennt, dass beide Flüsse durch allerhand Nebenarme bereits weit vor dem eigentlichen Zusammenfluss miteinander in Verbindung stehen. Das hat eben zur Bezeichnung Amazonas geführt.

Wir haben nur einen kleinen Teil des Gebietes „inspiziert“. Im Frühjahr, bevor die anderen kommen.. Gemeint ist die unzählbare Anzahl von Insekten, die nicht unbedingt von allen Menschen geliebt werden. Diese Insekten sind für die einen Quälgeister und für die anderen Nahrung - ein unersetzlicher Teil einer ganzen Nahrungskette. 

Es ist den Natur- und Umweltschützern in allen drei Ländern entlang von March, Thaya und Donau zu danken, dass die Wertigkeit dieser Flusslandschaften erkannt und benannt wurde und wird. Je mehr die Gegend verbaut, erschlossen und mit Maschinen und Chemie beackert wird, desto kleiner werden die Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die den eigentlichen Schatz eines Landes darstellen. So eine Krone oder ein Ornat aus der Schatzkammer ist schön anzusehen. Aber reproduzieren tut sich so eine Krone halt nicht von allein. Da ist ein Lebensraum, der voll von Vitalität ist und sich weitestgehend uneingeschränkt bewährt, inzwischen etwas Seltenes geworden. Und alles was selten ist, gilt als Schatz. So will ich eine historische Kaiserkrone nicht gegen einen Seeadler ausspielen, sondern vorschlagen den Begriff Staatsschatz zu erweitern.

Ein Staatsschatz, noch dazu einer den nur drei Länder gemeinsam als Schatz bewahren können, sind die Augebiete am Zusammenfluss von March und Thaya, welche sich im Dreiländereck zwischen Mähren, Niederösterreich und der Slowakei befinden.

Das Gebiet ist durch allerhand Wege erschlossen, die aber mit gutem Grund nicht alle befahren bzw. begangen werden sollten. es sind eine Unzahl von Tier- und Pflanzenarten vorhanden, deren Lebensraum geschützt werden soll.

Im Soutok, so nennt man das Gebiet in Tschechien, das, wenn wir von der Thaya ausgehen, bereits knapp unterhalb des Dammes von Nove Mlyny beginnt, sind die Spuren menschlicher Eingriffe unverkennbar. Der Landschaftspark Lednice-Valtice erstreckt sich bis weit in das Zusammenflussgebiet. So ist das Schloss Pohansko der wohl östlichste Ausläufer des Landschaftsparks. Geübte Augen werden auch dort und da Bunkerbauten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erkennenden können. Hier wollten auch nicht wenige den Eisernen Vorhang überwinden. Nicht allen gelang es ihn zu überwinden.

Hier ist kein Urwald, kein Gebiet, welches seit Jahrhunderten unberührt blieb. Nein, Nutzungen hat es gegeben, die die Landschaft verändert haben. Doch es waren und sind die beiden Flüsse, die das Gebiet zeitweise unzugänglich machen und so intensivere Nutzungen verunmöglicht haben. Und es war die Teilung Europas in zwei gegensätzliche Staatssysteme, die dieses Gebiet vor gravierenden Eingriffen bewahrte. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs waren es vor allem die Ideen einen Schiffahrtskanal zwischen Donau, Oder und Elbe errichten zu wollen, die eine massive Umgestaltung bewirkt hätte. Letztlich hat man es doch verworfen. So hat sich ein Ökosystem mit hoher Biodiversität etablieren können, das als höchst schutzwürdig eingeschätzt wird.

Das Gebiet empfiehlt sich nicht zu jeder Jahreszeit für einen Besuch. Auch wenn speziell durch den Betrieb der Stauseen von Nove Mlyny die Abflusscharakteristik der Thaya stark verändert wurde, Hochwässer von Thaya und/oder March machen das Gebiet immer wieder höchst unzugänglich. Auf die Insekten wurde bereits hingewiesen. Es gibt empfohlene Radwege, die gut beschildert sind. Auch per Boot sind einige Streckenabschnitte zu besichtigen.

Unsere Photos zeigen  nur einen Teil dessen, was hier bewundert- und schützenswerte ist.

Ein kurzes Video mag diese ergänzen.

 

Es gibt zu diesem Gebiet inzwischen eine große Anzahl von Publikationen. Hier einige ausgewählte Hinweise:

- Fließende Grenzen - Lebensraum March Thaya-Auen.

(Kelemen, H. & Oberleitner, I. (1999) Hrsg.
Fließende Grenzen. Lebensraum March-Thaya-Auen.
Umweltbundesamt, Wien: 384 Seiten)
Eine Publikation des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 1999. Schaue ich mir diesen Band heute an, so ist festzuhalten: Die Schutzwürdigkeit war schon lange erkannt und beschrieben. Besonders verdienstvoll finde ich den weiten Blick. Hierin geht es nicht allein um Tier- und Pflanzenarten, sondern um die Beschreibung einer Kulturlandschaft, mit all ihren Facetten.. der Veränderung der Landschaft über die Zeit, die Geschichte, der Art und dem Wechsel der Nutzungen, den Menschen unterschiedlicher Sprache und ihres Zusammenlebens miteinander und mit den naturräumlichen Gegebenheiten.

- Speziell der Veränderungen, die den Flussläufen von March und Thaya hier im Laufe der Zeit zugefügt wurden, widmet sich folgende Arbeit.

Flussmorphologische Entwicklung der March und der Thaya entlang der österreichischen Staatsgrenze seit dem 18. Jahrhundert 

- Die March-Thayaauen sind immer noch einer der schützenswerten Hotspots der heimischen Naturschutzplanung Österreichs

Auf was ich leider noch nicht hinweisen kann, ist eine trilaterale Publikation zu einer zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei akkordierten Schutzpolitik. Die Idee einen gemeinsamen Schutzraum: Donau-, March und Thayaauen zu schaffen ist bislang nicht so ganz gelungen. So hat jedes Land seine eigenen Schutzkategorien für dieses oder jenes Gebiet. Ein gemeinsamer Managementplan, der abgestimmt Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität bewirkt, ist noch eine Aufgabe für die Zukunft. Aber eines will ich doch feststellen: es geht nicht mehr um die Abwehr von allerhand unsinnigen Projekten, wie dies letztens der Donau-Oder-Kanal war. Nun geht es um ein über sprachliche und politische Grenzen hinausgehendes gemeinsames Gestalten. Hierfür sind nunmehr die Vorbedingungen ungleich besser als noch vor wenigen Jahrzehnten.


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                                                                                        Mehr Fotos in der Galerie

 

                                                     https://www.nadjameister.com/p412984112
 

 

 

 

 

 

 


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