Schobes Gegend

September 22, 2026

diesmal: ... THAYA & DYJE

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Text:Franz Meister  

Foto: Nadja Meister 

 

Es geht bergauf bergab.. Von Hnanice/vormals Gnadlersdorf geht es durch den Ort und die Weinberge dort zum Wald hinauf. Wir sind im tschechischen Nationalpark Podyji. Von einem bilateralen Nationalpark kann nicht wirklich gesprochen werden. Jeder hat so seinen eigenen Nationalpark. Es gibt jedenfalls keine gemeinsame Nationalparkverwaltung. Jeder Staat hat so seine eigene. Der tschechische Nationalpark ist jedenfalls größer.

Ab der Kuppe geht es recht steil bergab. Es ist durchwegs schattig und je tiefer es ins Tal geht, desto kühler wird es. Rechts befindet sich ein altes Pumpwerk, dass vor einigen Jahren hätte aktiviert werden sollen, um Thayawasser nach Österreich zu pumpen. Im Retzer Raum wollten Winzer Wasser aus der Thaya nutzen, um Weingärten zu bewässern. Aus der Idee ist nichts geworden. 

Die Thaya/Dyje fließt nicht allzu schnell dahin, aber auch nicht träge. Der Weg gabelt sich. Rechts geht es entlang von Ruinen von Mühlen - einst waren es gar bis Znaim/Znojmo neun Stück an der Zahl. Der Flußabschnitt heisst daher auch Devět mlýnů - Neun Mühlen. Allein die Geschichte dieser Mühlen, von denen nur mehr Ruinen übrig geblieben sind, ist wohl einen eigenen Blogbeitrag wert. Wer nicht warten möchte, sei auf diese Diplomarbeit hingewiesen (in Tschechisch verfasst).

Diesmal wenden wir uns nach links. Es geht ein Stück der Thaya stromaufwärts, bis wir zu einer Hängebrücke gelangen. Unter uns plätschert die Thaya breit und kühl dahin. Das war nicht immer so, gemeint ist hier die Kühle. Bevor die Staustufe Frain/Vranovska Prehrada gebaut wurde, war die Thaya - zumindest nahe zu Znaim ein begehrtes Badegewässer. Zwar nicht „bacherlwarm“, aber für Abkühlungszwecke bestens geeignet. Mein Vater schwärmte in seinen Erinnerungen an seine Jugendzeit von jenem Bad in der Thaya, dass dann ab der Inbetriebnahme des Stausees stark an Attraktivität verlor. Aber auch dies ist eine eigene Geschichte.

Nach der Hängebrücke, jenseits der Thaya/Dyje geht es dann recht steil hinauf zum Šobes. Das ist ein Weingarten mitten im Nationalpark. Bevor an diesem Hang Wein angebaut wurde, waren schon andere dort seßhaft - zumindest aus der Bronzezeit sind Fundstücke überkommen, die nun in Znaim bestaunt werden können.

Germanische Stämme besiedelten die Gegend um die Zeitenwende. Allerhand hat sich zugetan, ab dem das Römische Reich sich bis zur Donau ausgebreitet hat. Der Donaulimes, war auch ein Ort des Austauschs, von Gütern, Gedanken. Ob es auch Weinreben waren, die in den Norden genagten - more research is necessary. Das Klima spielte jedenfalls auch eine Rolle. Ob es zu warm, zu kalt war, zu trocken oder zu naß. Alles hat in der einen oder anderen Form Auswirkungen auf hauptsächlich Land- und Viehwirtschaft aufbauende Gesellschaften. Nähres zum Klima zwischen dem 1. und 4.Jahrhundert nach Christi ist hier nachzulesen.

Das Internet führt zu einigen Seiten, die angeben, dass seit der Zeit der Römer an diesem Hang Weinanbau bestanden haben soll. Nachweisen lässt sich die nicht wirklich gut. Fest steht jedenfalls, dass ab dem 12.Jahrhundert der Anbau auf diesem Hang Eingang gefunden hat. Die Lage - Wind, Wetter und Boden begünstigen das Wachstum von Trauben, aus denen gute Weine gemacht wurden. Einst gelangte der vergorene Traubensatz von hier exklusiv an den kaiserlichen Hof in Wien.

Weinbau wurde hier jedenfalls betrieben - mit Unterbrechungen! Sowohl die Hussitenkriege und noch viel mehr der 30jährige Krieg haben zu Einbrüchen in der Bewirtschaftung geführt. Der bedeutendste Einbruch ist einer eingeschleppten Tierart zuzuschreiben - der Reblaus. Dieses Insekt kam als so eine Art „blinder Passagier“ nach Europa. Eigentlich wollte man zur Mitte des 19. Jahrhunderts dem Mehltau entgegenwirken. Hierfür importierte man Reben aus Amerika - inklusive der Reblaus. Dieses Insekt breite sich rasant in Europa aus, so auch bis in den Sobes. Da war es dann Schluß mit dem Weinbau - bis neue Rebsorten entwickelt und verbreitet waren. 

Der Weinbau an diesem herrischen Flecken Erde hat beide Weltkriege überstanden. 1951 war es jedenfalls mit dem Weinbau am Šobes wieder vorbei. Bis dahin bewirtschafteten Winzer aus Österreich diese Flächen. Doch mit der Errichtung des Eisernen Vorhangs war es auch Schluß mit dem "kleinen Grenzverkehr“. Erst in den 70er Jahren begann man wieder mit der Anpflanzung von Weinreben im Šobes.
 

Hierbei war man auch nicht wirklich zimperlich. Mittels Sprengungen wurden Terrassen angelegt. Dabei ging wohl auch allerhand archäologisch relevantes Fundgut verloren. Die Terrassen, die man nun sieht, waren jedenfalls nicht immer dort. 

Wie im Internet an vielen Stellen nachzulesen, soll der Šobes einer, wenn nicht der älteste Weingarten Mährens sein. Richtig ist: Weingarten ja, alt auch, bewirtschaftet mit veritablen Unterbrechungen.

Bewirtschaftet wird dieser exponierte Weingarten immer noch. Die Ausbeute wird kaum den Bedarf in Mähren, auch nicht in Znaim decken. Die aus diesen Trauben gekelterten Tröpfeln sind jedenfalls höchst schmackhaft. Glücklich der/die, der/die ein Flascherl ergattern kann.

 

 

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Mehr Fotos in der Galerie:

 

                                                                                       https://www.nadjameister.com/p44918879
 

 


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