diesmal: ... THAYA & DYJE
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Text: Franz Meister
Fotos: Nadja Meister
Claudio Magris hat sich über viele Seiten der Frage gewidmet, wie es um die „Quelle“ der Donau eigentlich bestellt ist. Der Disput, ob Breg oder Bregach die jeweilige Quelle der Donau darstellt, füllt dicke Bände. Man hat sich letztlich darauf geeinigt, dass erst ab dem Zusammenfluss von Breg und Bregach in Donaueschingen von der Donau gesprochen werden kann.
In Raabs ist das anders. Dort kommt die „Deutsche Thaya" mit der „Mährischen Thaya" zusammen und ab da ist das Wasser als Thaya, tschechisch Dyje, bezeichnet.
Schaut man genau, so ist nicht wirklich bilateral festgelegt, wo denn die Thaya entspringt. Denn an der Quelle der „Deutschen Thaya“ steht eine Steinplatte, die das dort entspringende Gerinne als Thayaquelle bezeichnet. Die Namensgebung stammt wohl aus einer Zeit, in der eine Bezeichnung „Österreichische Thaya“ nicht opportun erschien. Dies gilt wohl noch bis heute - schade eigentlich! Dem Wasser kann es eigentlich egal sein. Es ist nass und spricht keine Sprache.
In Raabs wäre eigentlich eine Zwischenstation gewesen. Die Station einer Bahnverbindung zwischen Göpfritz und Moravske Budejovice. Zu dieser Verbindung ist es, obwohl behördlich Konzessionen zum Ende des 19.Jahrhunderts vergeben wurden, nie gekommen. Auf tschechischer Seite wurde der Bahnausbau bis Jemnice errichtet. Auf österreichischer Seite wurde die Bahnlinie bis Raabs gebaut und betrieben. Bis die Trasse aufgelassen wurde und seit Beginn des 21. Jahrhunderts als Radweg ausgebaut wurde.
Es fährt sich recht gemütlich auf dieser fernab der stark befahrenen Straßen angelegten Trasse von Göpfritz bis Raabs. Bis wir in Raabs angekommen sind!
Bis runter in den Talboden fährt es sich noch angenehm. Doch dann, wenn es wieder bergauf geht, ist Muskelkraft gefragt.
Schuld daran hat die Thaya, bzw. ihre beiden Quellbäche. Die haben sich tief in die Reste eines Gebirges eingegraben, das - dafür gibt es keine Zeitzeugen - einst höher als der Himalaya gewesen sein soll. Davon ist nicht mehr viel übrig, außer dem Waldviertel und auf tschechischer Seite der Böhmisch-Mährischen Anhöhe. Erosion, die Kraft von Wind, Wetter und Wasser haben das hohe Gebirge abgetragen. Die Thaya hat hier ganze Arbeit geleistet.
Raabs ist nicht nur Ort von Zusammenfluss zweier Bäche, sondern auch namengebend für ein ganzes Land: für Österreich. Denn für die Tschechen ist Österreich als Rakousko bezeichnet - das Land hinter Raabs.
Und da sind wir auch schon bei der Burg, die einst ein Teil einer ganzen Burgenkette zwischen den Besitzungen der Babenberger und jenen der böhmischen Fürsten darstellte. Auf tschechischer Seite stehen auch allerhand Burgen - dort zur Abwehr von möglichen Aspirationen aus dem Süden.
Raabs ist daher ein Sinnbild für das wechselseitig schwierige historische Verhältnis beider Staaten. Einzig die Gewässer verbinden, vereinigen sich und ab Raabs, fließt die Thaya streckenweise als bis heute existenter Grenzfluss mit einem Namen..
Zur Burg haben die diversen Handbücher allerhand an Information anzubieten. Wir belassen es dabei, dies zu erwähnen und sind schon von den mannigfaltigen Perspektiven, die dieser Ort bietet, höchst angetan.
Raabs an der Thaya_(c)_Nadja Meister_ IMG_5790
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